OCTOBER 25 - NOVEMBER 29, 2008
OPENING: OCTOBER 25, 6 - 8 pm

CHRISTOPH BRECH
LIMBUS
PRESSEMITTEILUNG / PRESS RELEASE
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In Zeiten panisch oszillierender Finanzmärkte und einer sich immer rasanter wandelnden Welt könnte man den deutschen Foto- und Videokünstler Christoph Brech einen Provokateur bezeichnen. Denn das, was der Absolvent der Münchner Akademie der Künste mit seinen Videoarbeiten vorschlägt, folgt keinen Modetrends, verspricht keinen lauten Spektakel und ist das genaue Gegenteil von schnelllebig. Eine zufällige Beobachtung, ein scheinbar unspektakulärer Seitenblick werden zum Ausgangspunkt eindringlicher Bilder, die zu einer verlangsamten Zeit- und Raumerfahrung einladen. Ganz gleich, ob der Künstler seinen Blick auf den Eingang einer Kirche, auf einen Fluss oder auf gemalte Grabsteinporträts richtet, stets ermöglichen seine hochästhetischen Filme dem Betrachter, Orte und Geschehnisse mit einer neuen, fast betörenden Intensität zu erleben.

Zu Brechs jüngsten Arbeiten zählt das Video „Der Tod und das Mädchen“, das das Streichquartett Quatuor Ebène bei der Probe von Schuberts gleichnamigem Stück zeigt. Bei der Aufnahme konzentrierten sich vier Kameramänner, ebenfalls ein Quartett bildend, ausschließlich auf die Gesichter der Musiker. Christoph Brech führte das Filmmaterial in Analogie zum gemeinsamen Klangbild der vier Instrumente zu einem einzigen Film zusammen. Jede Emotion, die sich auf den Gesichtern der Musiker abzeichnet, wird im Fluss der sich überlagernden Bilder zu einer eindringlichen "Physiognomie" der Musik.

In „Trapasso“ macht uns Brech auf eine merkwürdig anmutende Umnutzung von Grabplatten aufmerksam. In knapperen Zeiten war es in römischen Kirchen nicht unüblich, Grabplatten klerikaler und weltlicher Würdenträger zur Ausbesserung in Fußböden zu verlegen. Die unzähligen Menschen, die über die Jahrhunderte über diese Böden hinweg gegangen sind, haben ihre Spuren hinterlassen und den Steinreliefs jede Individualität entzogen. Das Video zeigt ausschließlich die Köpfe und Gesichter der Portraitierten und lässt diese langsam ineinander fließen. So entsteht ein Archiv abstrakter Chiffren, das darauf verweist, dass selbst steinerne Gedenktafeln vom Vergehen und Vergessen nicht verschont sind.

Der renommierte Kunstkritiker Thomas Wagner fasste das Werk Christoph Brechs treffend in zwei Sätzen zusammen: „Was Christoph Brechs Bilder beschreiben, sind keine oberflächlichen Sensationen, keine Ereignisse im trivialen Sinn eines unerwarteten Geschehens, sondern eine Rückkehr des Blicks in die gefaltete Tiefe einer verborgenen Welt. Sie zeigen, was unter der Oberfläche liegt, und sie entfalten, was unser geschäftiges Auge geflissentlich übersieht.“

Christoph Brech, 1964 in Schweinfurt geboren, studierte an der Akademie der Künste in München bei Prof. Franz B. Weißhaar. 2006 war er Stipendiat der ”Deutschen Akademie Villa Massimo” in Rom und wurde ebenfalls 2006 mit dem ”Will-Grohmann-Preis” der Akademie der Künste in Berlin ausgezeichnet. Brechs Arbeiten sind in renommierten Sammlungen wie z.B. in der ”Sammlung Goetz” in München vertreten und wurden 2008 im ”Münchner Lenbachhaus”, in der ”Berlinischen Galerie”, im ”Museum Frieder Burda”, Baden Baden, und im ”Museum Weserburg” in Bremen gezeigt.

Für nähere Informationen kontaktieren Sie bitte die Galerie. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog!


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In a time where financial markets are oscillating between highs and lows and the entire world seems to emerge itself in an ever faster spin, the work of German photographer and video artist Christoph Brech could be called provocative. The concepts which the former student at the Munich Academy of Arts proposes in his videos do not follow any current fashion, nor do they promise spectacle. Brecht’s work stands in a diametrically opposition to rapid changes. A random observation, an unspectacular gaze becomes the starting point of a series of videos, in which the viewer is invited to experience time and space in a decelerated form. Whether the artist guides our attention to the entrance of a church, to a river or to the painted portraits of gravestones, the highly aesthetic films always allow us to discover places or events in a new, nearly beguiling way.

One of Brecht’s newest pieces is the video „Der Tod und das Mädchen“ („The death and the Maiden“). In it the string quartet Quatuor Ebène is rehearsing Schubert’s famous piece bearing the same title. During the production four cameras, thus also forming a quartet, focused exclusively on the faces of the musicians. Creating an analogy to the collective sound of the four instruments, Christoph Brech brought the footage together, merging it into a single track. In the flow of the overlapping images, every emotion showing up in the faces of the musicians therefore becomes part of a musical „physiognomy“.

In „Trapasso“ Brech calls our attention to a rather curios reusage of gravestones. In times of hardship, Roman churches did not shy away from using tombstones of clerical and mundane dignitaries to repair stone floors. The countless persons crossing these floors over the centuries have left their traces and deprived the reliefs of their individuality. The video consists of nothing more than the heads and faces of the portrayed individuals slowly blending into one another. An archive of abstract signs emerges, reminding us of the paradox that not even gravestones are a guarantee against decline and oblivion.

A remark by the renowned critic Thomas Wagner poignantly summarised the work of the artist: „Christoph Brech’s images do not describe superficial sensations, nor events in the common sense of an unexpected happening, but the return of the gaze into the folds of a profound and hidden world. They unfold what lies beneath the surface, and reveal what our strained eyes pretend not to see.“

Christoph Brech, born 1964 in Schweinfurt, studied at the Academy of Arts in Munich under Prof. Franz B. Weißhaar. In 2006 he was a fellow at the ”German Academy Villa Massimo” in Rome. In the same year, he was awarded the ”Will-Grohmann-Preis” of the Academy of Arts in Berlin. The works of Brech are part of renowned collections like the ”Goetz Collection” in Munich. In 2008, videos by Brech were exhibited in ”Lenbachhaus, Munich”, the ”Berlinische Galerie”, the ”Museum Frieder Burda”, Baden Baden, and in the ”Museum Weserburg” in Bremen.

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