For „Wende Gelände“, a series of photos that Berlin based Sarah Schoenfeld has produced since 2005, the artist frequents places of her childhood and photographs these. Initially, it looks as if the artist documents common places (a kindergarten, a school, an open-air pool, a leisure park), which represent that kind of childhood memories everybody has, bearing a meaning on the basis of their autobiographic value. At a closer look, Schoenfeld produces highly reflected pictures of public spaces in the former East Berlin, which were in the majority of cases shut down due to financial reasons. Today, these sites attest the political, cultural and social development in the capital after reunification.
One of the photographs shows a run-down ballroom with an elaborate ceiling lighting and a stage, on which a piano still is standing in the hindmost corner. Another photo focuses on a snow covered open-air pool, gradually re-conquered by nature and embedded in the urban landscape. All in all we get to see spaces which are saturated with the private memories of the artist, the history of the former German Democratic Republic, and the reunified Germany. And although these places are completely isolated from the buzz of activity in the surrounding world, they are silent witnesses of the urban measures and decisions taken by politicians in Berlin since the Fall of the Wall.
Schoenfeld creates topographies of memory that accumulate history like archaeological material. By exploring the essence of life in the material traces that private and collective memory have left behind, she acts like the famous man in Walter Benjamin’s “Allegorie kultureller Erfahrung” (Allegory of Cultural Experience), about whom Benjamin writes: “Who tries to approach the own buried past has to act like a burrowing man. He should not avoid to come back again and again to the same subject – and to spread it like earth is spread; and to plough it like fields are ploughed. True memory should not proceed in a documenting way, but rather refer to the place where the investigator got hold of it.”
Taking the pictures themselves requires a lot of the artist’s time. Vertical and horizontal lines dominate the language and rhythm in the photos. Nothing is staged. There is a melancholy and mourning being echoed in their transparent and calm beauty that deals with fear of loss and the fear itself. The complex and laborious technique of the artist stands in an odd contrast to the observed mourning and the historical stagnancy documented in the works.
Schoenfeld reflects the nature of personal and collective experience. It is obvious that for her, identity means the reconstruction and retelling of history. Her acting emblematises the desire for restituting a primary, lost entity, which Lacan probably would express through the mirror stage and Platon with the metaphor of the sun. Schoenfeld collects vestiges in order to raise a monument in the name of the incomplete, the forgotten and the overlooked. She is not interested in vast stories and important places. Her approach symbolises the attempt to represent the disappearing in history and the disappearance itself.
The search for integrity and linearity is finally accomplished in the aesthetic spirit of the work. Again, Schoenfeld approaches Benjamin's philosophy, which recreated the term of allegory, as for Benjamin, an allegory implicates an experience of the disappointing rupture that shows up in the discrepancy between image and meaning.
1979 Berlin-born artist Sarah Schoenfeld graduated from Berlin Universität der Künste (College of Art) where she studied under professors Baumgarten and Schmettau. Her series „Wende Gelände“ will be shown from May 4th until June 2nd in the gallery KUNSTAGENTEN in Linienstraße 155, 10115 Berlin. Furthermore, the Leipziger Fotografiefestival will present a selection of her photo works this summer. The Kunsthalle in Hamburg has recently acquired two of Schoenfeld's works for its permanent collection.
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Für die seit 2005 entstandene Fotoarbeit „Wende Gelände“ suchte die Berliner Künstlerin Sarah Schoenfeld Orte ihrer Kindheit auf, um sie zu fotografieren. Auf dem ersten Blick sind es alltägliche Orte (ein Kindergarten, eine Schule, ein Freibad, ein Vergnügungspark), wie sie die Kindheitserinnerungen eines jeden ausmachen, die jedoch für die Künstlerin ihr Gewicht durch die autobiographische Bedeutung erhalten. Auf dem zweiten Blick handelt es sich um wohlüberlegte Aufnahmen von öffentlichen Räumen im ehemaligen Ostberlin, die meist aus finanziellen Gründen stillgelegt wurden und die von den politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen nach der Wiedervereinigung Zeugnis ablegen.
So zeigt eine Fotografie einen heruntergekommenen Festsaal mit aufwendiger Deckenbeleuchtung und Bühne, auf deren hintersten Ecke noch ein Klavier steht. Eine weiteres Foto lenkt den Blick auf ein verschneites, von der Natur allmählich zurückerobertes Freibad, das seit Jahren ungenutzt in der Stadtlandschaft liegt. Insgesamt sieht man Räume, die von den privaten Erinnerungen der Künstlerin und der öffentlichen Geschichte der ehemaligen DDR und des wiedervereinigten Deutschlands durchtränkt sind. Und obwohl diese Räume längst vom geschäftigen Tun der Außenwelt abgeschottet sind, stellen sie stille Zeugen der urbanistischen Maßnahmen und Entscheidungen dar, die von der Politik für Berlin seit der Wende getroffen wurden.
Durch Schoenfelds Herangehensweise entstehen Topographien der Erinnerung, in denen sich Geschichte wie archäologisches Material anlagert. Indem die Künstlerin das Wesen der Dinge in den materiellen Spuren ergründet, die das kollektive und private Gedächtnis in Orten einschreiben, handelt sie wie der berühmte Mann in Walter Benjamins „Allegorie kultureller Erfahrung“, über den Benjamin schreibt: „Wer sich der eigenen verschütteten Vergangenheit zu nähern trachtet, muß sich verhalten wie ein Mann, der gräbt. Vor allem darf er sich nicht scheuen, immer wieder auf einen und denselben Sachverhalt zurückzukommen – ihn auszustreuen, wie man Erde ausstreut, ihn umzuwühlen, wie man Erdreich umwühlt. [...] So müssen wahrhafte Erinnerungen viel weniger berichtend verfahren als genau den Ort bezeichnen, an dem der Forscher ihrer habhaft wurde“.
Der fotografische Akt selbst beansprucht von der Künstlerin viel Zeit. Horizontale und vertikale Linien bestimmen die Formensprache der Bilder. Nichts ist inszeniert. Doch in der ruhigen Schönheit der Fotografien schwingt eine Trauer mit, die von der Angst vor dem Verlust und vom Verlust selbst handelt. Der bildästhetische und technische Aufwand, mit dem die Fotografien erstellt werden, stehen in einem merkwürdigen Kontrast zu dieser Trauer und zum historischen Stillstand, die in den Bildern dokumentiert werden.
Es ist offensichtlich, dass Schoenfeld nach dem Wesen von persönlicher und kollektiver Erinnerung fragt und Identität als ein Nachvollziehen und Nacherzählen von Geschichte versteht. Ihr Handeln versinnbildlicht die Sehnsucht nach einer Restitution einer verlorenen, ursprünglichen Einheit. Die Künstlerin sammelt Trümmer, um dem Unvollständigen, Vergessenen und Übergangenen ein Denkmal zu setzen. Nicht die großen Orte und die großen Geschichten interessieren sie. Damit steht ihre Vorgehensweise für den Versuch, das historisch Verschwindende sowie das Verschwinden selbst darzustellen und ihm in der Fotografie einen Ort der Erinnerung zu schaffen.
Doch der Wunsch nach einer linearen und vollständigen Rekonstruktion der eigenen Geschichte und Identität erfüllt sich auch bei ihr nur im ästhetischen Geist der Arbeit Auch hier kommt Schoenfeld Benjamins Philosophie nahe, der für die Erfahrung der Gebrochenheit, die sich im Auseinanderfallen zwischen Bild und Bedeutung zeigt, den Ausdruck der Allegorie neu besetzte.
Die 1979 in Berlin geborene Künstlerin Sarah Schoenfeld absolvierte ihr Studium bei Prof. Baumgarten und Prof. Schmettau an der UdK in Berlin. Ihre Fotoserie „Wende Gelände“ ist vom 4. Mai bis 2. Juni in der Galerie KUNSTAGENTEN in der Linienstraße 155, 10115 Berlin, zu sehen. Im Sommer wird eine Auswahl ihrer Fotos auf dem Leipziger Fotografiefestival gezeigt. Die Hamburger Kunsthalle hat kürzlich zwei Fotografien der Künstlerin für ihre ständige Sammlung erworben.
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